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Senftenberg: Von der Kohlestadt zur Seestadt, mit Eierlikör-Abstecher

Heute stand eine Stadtbesichtigung an. Senftenberg liegt ja quasi vor der Haustür, und nach den Tagen mit Tagebau, Findlingen und Schokolade war mal wieder eine richtige Stadt dran.

Ein bisschen Stadtkunde vorweg

Senftenberg hat knapp 25.000 Einwohner und ist damit die Kreisstadt des Landkreises Oberspreewald-Lausitz. Es liegt an der Schwarzen Elster, mitten im Lausitzer Seenland. Die Stadt war lange von der Braunkohle geprägt. Ab dem 19. Jahrhundert ging es mit Industrialisierung und Wachstum schnell voran, und noch bis 1999 gab es hier Braunkohletagebau. Zu DDR-Zeiten saß in Senftenberg sogar die Verwaltung des Braunkohlekombinats. Heute heißt es gern, aus der Bergarbeiterstadt sei eine Seestadt geworden. Das klingt nach Werbeprospekt, stimmt aber erstaunlich gut: Der Senftenberger See ist ein ehemaliger Tagebau (Niemtsch), in dem von 1941 bis 1966 Kohle gefördert wurde. Danach wurde er geflutet. Ab 1973 durfte darin gebadet werden.

Altstadt und Wochenmarkt

Los ging es in der kleinen Altstadt, die sich um den Markt gruppiert. Dort stehen einige alte Gebäude, darunter das Rathaus, und die spätgotische Peter-und-Paul-Kirche ragt mit ihrem Turm über die Dächer. Auch das Hubertus – das Restaurant haben wir schon getestet und für gut befunden – als ältestes Haus steht direkt am Markt. Es ist keine Altstadt, für die man ein Wochenende einplanen muss, aber sie ist ordentlich in Schuss.

Das Zentrum scheint halbwegs zu funktionieren. Wir haben ausgerechnet den Wochenmarkt erwischt, und es waren erstaunlich viele Leute unterwegs. Das ist heutzutage in Innenstädten ja keine Selbstverständlichkeit. Wir haben uns brav durch die Stände treiben lassen, ohne dass der Kofferraum am Ende schwerer war, das ergab sich erst später. Es gab nur lecker Erbsen- und Bohnensuppe mit Bockwurst :-).

Ansonsten findet man in Senftenberg hauptsächlich Siedlungsbauten aus den 50-er, 60-er Jahren und DDR Neubauten. Das hat uns etwas an Narva in Estland erinnert – auch eine Industriestadt. Nur sind die Wohngebiete in Senftenberg toll in Schuss, da kann man sicher sehr gut leben.

Zum Stadthafen: Saisonende in Reinkultur

Vom Markt sind wir zu Fuß zum Stadthafen gelaufen. Der liegt am Nordufer des Senftenberger Sees und ist ein Projekt aus der Internationalen Bauausstellung. Er soll die Innenstadt mit dem See verbinden, und das klappt tatsächlich: Der Weg ist kurz und gut ausgeschildert, zum Teil mit blauen Würfeln mit Segelboot drauf. Der Hafen hat rund 140 Liegeplätze.

Zu unserem Besuch war allerdings Saisonende in Reinkultur. Kaum Leute, die Restaurants bauten gerade ihre Außenanlagen ab, und die Bootsvermietung machte dicht, während wir davor standen. Wir hatten das Gefühl, dem Sommer beim Zusammenpacken zuzusehen. Im Sommer ist es hier bestimmt richtig nett, mit Cafés und Restaurants direkt am Wasser und den vielen Booten. Der See selbst misst gut 1.300 Hektar und gehört damit zu den größten künstlich angelegten Seen Deutschlands. Wir haben ihn schon von unserem Campingplatz aus kennengelernt, jetzt eben mal von der Stadtseite.

Das Wetter war übrigens herbstlich gut, Sonne mit Wolken und keine Regen weit und breit. Es hat für Eisessen im Freien und am Nachmittag auch für eine Stunde lesen vorm Wohnwagen in der Sonne gereicht.

Scharfes Gelb: Wenn der Kofferraum schwerer wird

Danach ging es mit dem Auto zur Eierlikörmanufaktur „scharfesGELB“ in der Spremberger Straße. Die Firma stellt in ihrer Senftenberger Schau-Manufaktur Eierlikör in den unterschiedlichsten Geschmacksrichtungen her und verkauft ihn bundesweit. Im Shop direkt neben der Abfüllung kann man alle aktuellen Sorten verkosten und kaufen. Dazu gibt es Gläser, Geschenkpakete, Pralinen und sogar Marmelade mit Eierlikör.

Wir haben von beidem Gebrauch gemacht, also verkostet und gekauft. Die Auswahl ist riesig, und irgendwann verliert man beim Probieren den Überblick, welche Sorte man eigentlich schon hatte. Gut, dass einer von uns fährt und der andere sich opfert.

Dass der Eierlikörverkauf ein gutes Geschäft ist, konnte man schon draußen erahnen. Direkt vor dem Eingang, auf dem als „Geschäftsführung“ gekennzeichneten Parkplatz, standen zwei GLE. Wir haben da wohl gerade unseren Beitrag zur Dienstwagenflotte geleistet.

Fazit

Senftenberg ist keine Stadt, in der man Sehenswürdigkeiten im Stundentakt abhakt. Aber sie ist sympathisch, überschaubar und lebendig genug, dass sich ein Tag lohnt.