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Zwischen Schwarzer Mühle und Z25: Ein Herbsttag in Hoyerswerda

Der Himmel war heute schon beim Frühstück grau. Nicht kalt, nur sehr bedeckt, und ab Mittag kam dann der Regen dazu. Viel mehr kann man Ende Oktober wohl nicht erwarten, also haben wir uns nicht beschwert. Wir sind mit dem Auto nach Hoyerswerda gefahren. Dort hatte ich eine Führung im Zuse-Computermuseum gebucht, und das sollte das Highlight des Tages werden.

Erster Halt: Krabatmühle Schwarzkollm

Bis zur Führung hatten wir noch Luft, und die Krabatmühle in Schwarzkollm lag fast auf dem Weg. Das ist der Ort, an dem die Krabat-Sage spielt. Sie stammt aus der sorbischen Überlieferung und erzählt vom Müllerburschen Krabat, der in der „Schwarzen Mühle“ im Koselbruch das Zaubern lernt. Der Meister der Mühle ist dabei kein netter Mensch. Bekannt geworden ist der Stoff durch Jurij Brězans „Die schwarze Mühle“ und später durch Otfried Preußlers Roman und die Verfilmung von 2008.

Das Vorbild für die Figur soll ein Mann namens Johann von Schadowitz gewesen sein, ein kroatischer Oberst im Dienst des sächsischen Kurfürsten. Er lebte im 17. Jahrhundert in der Gegend und liegt in Wittichenau begraben. Die Mühle in Schwarzkollm ist kein Original, sondern ein Nachbau. Sie ist Teil eines Erlebnishofs mit Mühlen-Ensemble und Krabat-Pfad, getragen von einem Verein.

Wir standen leider zur falschen Zeit da. Die Saison ist vorbei, und wir konnten nur noch beim Aufräumen zusehen. Zaubern konnte dort heute niemand, höchstens Kisten stapeln. Wir haben uns den Hof kurz angesehen und sind weitergefahren.

Kurzer Stadtrundgang in „HoyWoy“

Danach haben wir uns das Zentrum von Hoyerswerda angeschaut, das die Einheimischen liebevoll „HoyWoy“ nennen. Es ist eine Stadt, die einmal viel größer war und heute deutlich weniger Einwohner hat. Das merkt man auch.

In der Kulturarena sind wir dann ziemlich genau am richtigen Ort gelandet. Das Gebäude beherbergt auch die Touristeninformation, und hier wird an Gerhard Gundermann erinnert. Er war Baggerfahrer im Tagebau und Liedermacher und ist mit Hoyerswerda eng verbunden. Gundermann starb im Juni 1998 mit nur 43 Jahren. Eine gute Woche davor stand er in Hoyerswerda noch mit seiner alten Band, auf der Bühne. Das letzte Solokonzert folgte am Tag danach in einer Scheune im brandenburgischen Krams.

Hauptprogramm: Zuse-Computermuseum

Dann kam, worauf ich mich am meisten gefreut hatte: das ZCOM, das Zuse-Computermuseum. Es sitzt in einem elfgeschossigen Plattenbau, was zum Thema passt. Kein Prunkbau, sondern Funktionalität. Konrad Zuse war gebürtiger Berliner und hat in Hoyerswerda sein Abitur gemacht. Er baute 1941 mit der Z3 den ersten funktionsfähigen programmierbaren Computer der Welt. Zahlreiche seiner Entwicklungen kamen nach der Wende nach Hoyerswerda, und daraus ist über die Jahre das Museum entstanden. Betrieben wurde es von einer Stiftung, und 2017 gab es dafür den Sächsischen Museumspreis.

Das ZCOM befindet sich leider in der Abwicklung. Die Sammlung soll aufgelöst werden, und das Museum war am Ende finanziell nicht mehr zu halten. Wir hatten also Glück, dass wir die Führung noch bekommen haben.

Und die war richtig gut. Es ging um die Entwicklung der Computer, und vor allem um Konrad Zuse selbst. In der Ausstellung stehen einige der Rechner, die er gebaut hat. Mich hat auch der künstlerische Zuse überrascht, denn einige seiner Bilder hängen dort. Ein Computerpionier, der nebenbei malt: Das hatte ich so nicht auf dem Zettel. Es wurde auch über den Unternehmer Zuse gesprochen, der als Eigenbrötler den Lauf der Technik verpasst hatte, noch ewig auf Trommelspeicher setze und mit der Z25 den Markt völlig falsch einschätze um mit diesem Modell pleite zu gehen. Er hat es leider verpasst mit den anderen Computerkonzernen der Zeit wie IBM, DEC, DIGITAL etc. zusammenzuarbeiten. Sorry wenn es denn doch ein paar Bilder zu viel geworden sind – das ist nur eine Auswahl :-).

Besonders anschaulich war der Teil mit den Eigenbauten. Daran wurde gezeigt, wie Relais in der Computertechnik an ihre Grenzen kommen: Die Taktzeiten sind schlicht zu langsam, die Dinger klackern, und für schnelles Rechnen ist das nichts. Für mich war das ein Wiedersehen, denn viele der historischen Computer kenne ich noch aus meiner Lehre. Man steht davor und denkt: Die habe ich mal bedient, und jetzt stehen sie im Museum. Das macht einen wahlweise nostalgisch oder alt, bei mir war es beides.

Fazit

Das Wetter war grau, die Krabatmühle zu und das Zentrum ruhig. Dafür war das Museum den Tag wert. Ich hoffe wirklich, dass sich für das ZCOM noch eine Chance zum Weiterbestehen findet. Ein Museum, das die Geschichte des Computers so greifbar macht, sollte nicht einfach abgewickelt werden. Wer noch in der Nähe ist, sollte hinfahren, solange es geht.