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Zwischen Teufelsbrücke und Eiszeitgeröll: ein Herbsttag in der Oberlausitz

Manchmal meint es das Wetter einfach gut mit einem. Nach dem kalten, windigen und nassen Tagen gestern wurden wir heute mit blauem Himmel und Sonne belohnt. Das ist eine Ansage, und die nimmt man als Camper an: ins Auto setzen, losfahren und irgendwas draußen erleben. Mehr Programm braucht ein guter Tag nicht.

Station 1: Die Rakotzbrücke in Kromlau

Erster Halt war der Kromlauer Park, genauer gesagt der Rakotzsee mit seiner berühmten Brücke. Das Auto ließen wir auf dem Besucherparkplatz stehen, den Rest ging es zu Fuß durch den Park. Eintritt zahlt man übrigens nicht, aber Parkgebühren :-).

Zur Brücke selbst, weil sie mehr Geschichte hat, als man ihr auf den ersten Blick ansieht: Friedrich Hermann Rötschke kaufte 1842 das Gut Kromlau und gestaltete es in den folgenden Jahren zu einem Landschaftspark im englischen Stil um, mit Seen, Grotten und allem, was dazugehört. Die Brücke entstand in dieser Zeit aus Basalt und Feldsteinen. Das Datum nennt jede Quelle anders, mal 1860, mal 1866, mal 1863 bis 1882. Wir halten es deshalb wie die Fachleute und sagen: irgendwann im 19. Jahrhundert. Gebaut wurde sie nicht, um irgendwo hinzukommen, sondern wegen des Anblicks. Der schmale Bogen spiegelt sich im Wasser und ergibt zusammen mit seinem Spiegelbild einen fast perfekten Kreis. Aus dem See und an der Brücke ragen dazu noch Basaltsäulen auf.

Wegen dieser Form heißt sie auch Teufelsbrücke. Die Sage dazu geht so: Der Teufel baut, und wer als Erster rüberläuft, gehört ihm. Rötschke soll ihn ausgetrickst haben, indem er ein Tier über die Brücke schickte. Ein Gutsbesitzer, der den Teufel mit einer Ziege (oder was auch immer) austrickst, ist unter Gutsbesitzern vermutlich bis heute eine Legende. Zwischen 2018 und 2021 wurde die Brücke aufwendig saniert, weil sie stark einsturzgefährdet war. Wir sehen sie heute also in Bestform.

Die Sonne hat in dem Fall wirklich mitgespielt. Die herbstbunten Blätter leuchteten im Gegenlicht deutlich besser, als sie es bei grauem Wetter getan hätten. Die Brücke, eingerahmt von Gelb, Orange und Rot, sah richtig gut aus. Ich habe fotografiert, wie es sich gehört, und dabei ziemlich sicher auf zwei Dutzend fremden Fotos im Hintergrund gestanden. Das ist an so einem Ort aber normal. Nebenbei: Die beste Zeit für den Park ist eigentlich der Frühsommer, wenn die Rhododendren blühen. Der Herbst macht seine Sache aber ebenfalls nicht schlecht.

Station 2: Findlingspark Nochten

Weiter ging es nach Nochten. Der Findlingspark liegt direkt auf einem rekultivierten Stück des Tagebaus Nochten, der übrigens noch aktiv ist. Das merkt man an der Aussicht: Vom Berg im Park schaut man auf den laufenden Kohleabbau und das Kraftwerk Boxberg.

Der Park wurde zwischen 2000 und 2003 angelegt, die Eröffnung war 2003. Das sind also rund 23 Jahre, und der Bewuchs sieht entsprechend gesetzt aus. Die Hügellandschaft wurde aus den Abraummassen des Tagebaus modelliert, die Findlinge brachten die Bergleute gleich mit. Die sind im Tagebau sonst eher ein Ärgernis, weil sie bis zu 50 Tonnen wiegen können und sich von keinem Bagger gern wegschieben lassen. Hier sind sie Hauptdarsteller: Etwa 7.000 Findlinge und rund 100.000 Pflanzen und Gehölze sind im Park zu Hause. Auf ungefähr 20 Hektar ist daraus ein richtig schöner Landschaftspark geworden, der sich selbst als Europas größten Steingarten bezeichnet.

Besonders gefallen hat uns Klein-Skandinavien. Dort liegen die Findlinge auf einer Art Landkarte genau dort, wo sie ursprünglich herkommen, also Dänemark, Schweden, Norwegen, Finnland. Ein Lehrpfad erklärt anhand von etwa 90 Steinen, wie sie in die Lausitz gelangt sind. Die Kurzfassung: In den Eiszeiten schoben sich riesige Gletscher von Skandinavien nach Süden und rissen unterwegs Gestein mit. Als das Eis schmolz, blieben die Brocken einfach liegen, Hunderte oder Tausende Kilometer von zu Hause entfernt. Der Fachbegriff dafür lautet „nordische Geschiebe“.

Nächstes Wochenende findet im Park der „Herrenhuter Sterneglanz“ statt. Ein Großereignis das schon seit Wochen ausverkauft ist. Wir durften heute schon sehr viele der Herrenhuter Sterne bewundern.

Für Kinder ist der Park ein Traum: tolle Spielplätze, darunter ein Wüstenspielplatz, der etwas versteckt in einem Taleinschnitt liegt, dazu ein Barfußpfad über verschiedene Steine.

Der Abend: Camper-Pflichtprogramm

Zurück auf dem Platz erledigten wir die wichtigste Tätigkeit im Camperleben: Grill an. Das ist keine Erholung, das ist eine Kernkompetenz. Man steht mit der Zange da, ein Bier in der Hand, schaut in die Weite und ist für eine Weile der wichtigste Mensch auf dem Platz, bis das Grillgut verbrannt ist. Alles gut, ich bin rechtzeitig wieder in die Realität zurückgekommen.

Fazit

Ein Tag, an dem fast alles gepasst hat: gutes Wetter, zwei Ziele, die sich gut kombinieren ließen, und abends Grill. Die Brücke ist kleiner, als die Fotos vermuten lassen, aber sie lohnt sich trotzdem, und der Findlingspark ist ein schöner Gegenpol, weil er zeigt, was aus einem Tagebau werden kann.