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Der 200-km-Umweg, der nachwirkt: Unser Besuch im Lager Auschwitz-Birkenau

EEinen Besuch des Lagers Auschwitz hatten wir schon länger auf unserem Plan. Da wir auf unserer Route zumindest in der Nähe vorbeikamen, haben wir die 200 km Umweg kurzerhand in Kauf genommen und eine Führung im Lager mitgemacht.

Vorbereitung, Tickets und der Ablauf vor Ort

Eines wurde uns schnell klar: Die Führungen sind extrem gut besucht. Man muss sich am besten mehrere Wochen – mindestens aber mehrere Tage – im Voraus online Karten reservieren bzw. kaufen.

Es gibt verschiedene Arten von Führungen, beispielsweise über 3,5 oder 6 Stunden, die in unterschiedlichsten Sprachen angeboten werden. Dazwischen finden zusätzlich noch viele Führungen von großen Reisegruppen statt – es wird also richtig voll auf dem Gelände.

Man kann sich auch für den späten Nachmittag kostenlose Karten reservieren. Damit kann man dann ganz allein und ohne Führung auf das Gebiet des Lagers gehen. Das eignet sich hervorragend, um die geführte Tour noch einmal zu rekapitulieren, sich die einzelnen Punkte wirklich noch einmal in Ruhe anzusehen und den Ort auf sich wirken zu lassen.

Persönliche Geschichten und dichtes Programm

Die Führung selbst war inhaltlich sehr gut. Unsere Führerin erzählte sehr viele Dinge und brachte auch persönliche Geschichten aus der Zeit ihrer Großeltern ein. Unsere Platznachbarn hatten zur gleichen Zeit eine andere Führung mit jemand anderem, deren Großmutter Ähnliches erlebt hatte – das zeigt, wie nah die Geschichte hier noch ist.

3,5 Stunden klingen im ersten Moment nach viel Zeit. Doch dieser Zeitraum ist absolut vollgestopft mit Inhalten:

  • Lager 1 (Stammlager): Zum Start der Führung läuft man durch einen Betontunnel, in dem Namen von Opfern der Lager angesagt werden, und schaut einen kurzen Film in der Gedenkhalle über das Lager und die deutsche Besatzung an. Danach betritt man den alten Lagerbereich (eine ehemalige Kaserne der polnischen Armee) über das berühmte Tor mit der Inschrift. Wir haben uns verschiedene Blöcke angesehen, in denen Ausstellungen mit Dokumenten wie Fotos der Lagerinsassen, Schuhe, Koffer und mitgebrachtes Geschirr zu sehen sind.
    Leider passiert das alles im Schnelldurchgang – Anhalten wird sofort mit einem Rempler von hinten quittiert. Man wird ziemlich durch das Lager 1 gescheucht und spürt den Atem der Folgeführung im Nacken (zum Glück hat man Kopfhörer).
    Weiter ging es über die Todeswand, wo Erschießungen durchgeführt wurden, und den Appellplatz mit dem Gemeinschaftsgalgen für öffentliche Todesurteile bis zum rekonstruierten Krematorium. Dieses wurde von den Deutschen schon vor Kriegsende zerstört – wie die anderen im Lager 2 auch, um Spuren zu verwischen.
  • Lager 2 (Birkenau): Da Lager 1 schnell überfüllt war, wurde dieses ca. 3 km entfernte zweite Lager gebaut.
    Alle 8 Minuten fährt ein Shuttlebus hinüber – das ist wirklich gut organisiert, und man trifft sich dort wieder mit seinem Guide. Hier durchquert man das bekannte Tor zum Lager, besichtigt die Selektionsrampe, läuft zu den Ruinen der Krematorien und schaut sich eine Baracke im ehemaligen Frauenlager an.
    Hier waren die Verhältnisse um vieles schlechter als in Lager 1. Die Baracken wurden am Anfang aus Ziegel gebaut, später aber nur noch aus Holz, weil Baumaterial knapp war. Die Holzbaracken sind mittlerweile nur noch als Ruinen vorhanden und nur als Nachbildung zu besichtigen.
  • Auch hier geht es mit der Führung flink vorwärts, ohne lange zu verweilen, es gibt auch einige Entfernungen zurüzucklegen.

Puh, die Führung war ziemlich anstrengend. Ein intensiver Zwischenstopp, der trotz des straffen Tempos der Führung noch lange in Erinnerung bleiben wird.

Fazit

Ich beschreibe hier nur die Führung als solche. Zur historischen Bedeutung des Lagers haben schon viele besser informierte Leute geschrieben.

Ich denke, gerade in der heutigen Zeit, wo Begriffe wie „Volksdeutsche“, fremde Kultur etc. immer mehr wieder in den normalen Sprachgebrauch aufgenommen werden, muss hier immer wieder daran erinnert werden, wozu es im Namen der Reinheit des Volkes gekommen ist. Ich kann die Tour durch Auschwitz nur jedem empfehlen. Man bekommt hier den Blick einer anderen Nation auf das Thema dargestellt – anders als z. B. in Buchenwald oder Dachau. Während die Anwohner in Deutschland immer nicht wussten, was dort in den Lagern passierte, sagen die Polen sehr genau, dass sie das wussten und auch versucht haben zu helfen, wo es ging. Hier werden diese Dinge nicht verschwiegen. Es war halt nicht nur ein Fliegenschiss der Geschichte. Man sollte auch alle die Leute, die mit Andeutungen an diese Geschichte Deutschlands in ihrer Kommunikation arbeiten, verpflichten, hierher zu kommen. Aber leider wissen die meisten das alles sehr genau.