Gestern ging es für uns bei bester Sonneneinstrahlung weiter in Richtung Osten. Unser Ziel: Der Campingplatz Mereoja, der ziemlich genau auf halber Strecke zwischen dem Lahemaa-Nationalpark und Narva liegt – beide stehen für die kommenden Tage auf unserer Liste.





Der Platz selbst ist echt klasse angelegt und hat sogar einen eigenen Strandzugang. Allerdings sollte man sich den Strand nicht wie an der Adria vorstellen: Hier hat die Steinzeit ganze Arbeit geleistet und gefühlt Millionen Findlinge in allen erdenklichen Größen verteilt. Wer hier ohne feste Sohlen ins Wasser stolpert, macht unfreiwillig Akrobatik. Ein echtes Highlight sind dafür die Sanitäranlagen – eindeutig die saubersten und modernsten, die wir auf unserer bisherigen Estland-Tour gesehen haben. Gegen Abend füllte sich die Wiese dann auch zügig mit weiteren Campern.
Holzbohlen und Naturkundemuseum-Momente im Viru Moor
Heute stand dann das volle Kontrastprogramm auf dem Plan: Der Lahemaa-Nationalpark. Er ist der älteste Nationalpark Estlands und bekannt für seine dichten Wälder, Küstenstreifen und vor allem seine ausgedehnten Moorgebiete.



















Gestartet sind wir gleich morgens am Viru Moor (Viru raba). Dort führt ein toll angelegter Naturlehrpfad über Holzbohlen mitten durch die Heide- und Moorlandschaft. Man läuft entspannt über das Torfmoos, während ringsum die Libellen schwirren. Für die Kamera gab es reichlich Motive: Einige tierische Moorbewohner waren heute extrem fotogen unterwegs und haben sich geduldig ablichten lassen.
Steine schubsen am nördlichsten Punkt
Vom Moor aus ging es mit dem Wagen weiter ganz nach oben: Zur Landzunge Purekkari (Purekkari neem). Das ist offiziell der nördlichste Punkt des estnischen Festlandes.



Die Küste hier ist rau, windgepeitscht und extrem steinreich. Über eine schmale Landzunge aus riesigen Granitblöcken kann man bis weit ins Meer hinaus balancieren. Wer am Ende ankommt, blickt auf den Finnischen Meerbusen und stellt fest: Dahinter kommt erst einmal lange nichts als Wasser.
Herrschaftliche Zwischenstopps: Palme und Sagadi
Um dem Beine-Vertreten auf steinigen Pfaden etwas Kultur entgegenzusetzen, haben wir auf dem Rückweg entlang der Küste noch zwei der bekannten estnischen Gutshöfe angesteuert: Palmse und Sagadi.




Das Gut Palmse (Palmse mõis) ist eine riesige, akkurat restaurierte Barock-Anlage mit einem wunderschönen Schlosspark, Teichen und historischen Wirtschaftsgebäuden. Man bekommt sofort einen Eindruck davon, wie die deutsch-baltischen Barone hier früher residiert haben. Nur wenige Kilometer weiter liegt das Gut Sagadi, das mit seinem leuchtend rosa Hauptgebäude und den gepflegten Gartenanlagen nicht weniger beeindruckend ist.
Reetdächer und Klippen im Fischerdorf Altja
Den krönenden Abschluss unserer Tagesetappe bildete das historische Fischerdorf Altja.




Das Dorf schmiegt sich direkt an die Küste und bietet mit seinen althergebrachten, reetgedeckten Holzhäusern und den nachgebauten Netzschuppen auf der Landzunge einen fantastischen Einblick in das traditionelle Küstenleben. Ein kleiner Wanderweg führt hier über eine Holzbrücke entlang der Küste – perfekt, um den Tag entspannt ausklingen zu lassen.
Am Ende war es eine ziemliche Gewalttour mit vielen Kilometern in den Beinen, aber das perfekte Sommerwetter hat entschädigt: Die Kurze-Hosen-Zeit ist endlich wieder da!
