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Letzter Urlaubstag: Rostiger Nagel, Seebrücke und zweimal Wein aus dem Ex-Tagebau

Der letzte Urlaubstag hat etwas Eigenartiges: Man will noch alles mitnehmen und merkt gleichzeitig, dass der Kofferraum für den Heimweg schon Ansprüche anmeldet. Wir sind mit dem Auto losgezogen, um die Gegend rund um Senftenberg noch einmal abzuklappern. Das Wetter passte zur Stimmung: herbstlich bedeckt, kein Regen, nicht extrem kalt. Ein Tag, der weder Jubel noch Gejammer verdient.

Erster Halt: Der Rostige Nagel

Wir haben mit einem alten Bekannten der Region angefangen, dem „Rostigen Nagel“. Offiziell heißt er Landmarke Lausitzer Seenland und steht an der Mündung des Sornoer Kanals in den Sedlitzer See. Das Ding ist ein rund 30 Meter hoher Aussichtsturm aus Cortenstahl, und er soll etwa eine Million Euro gekostet haben. Der Rost ist übrigens Absicht: Cortenstahl bildet eine rostrote Patina, die ihn schützt. Der Turm sieht also bewusst so aus, als hätte man ihn vergessen. Die Form nimmt Motive aus dem Bergbau auf, also die stählernen Geräte der Tagebaue. Gebaut wurde er 2008.

Von oben sieht man den Sedlitzer, den Geierswalder und den Partwitzer See. Der Sedlitzer See ist mit 1418 Hektar Wasserfläche und 27 Metern Tiefe der größte See der Region. Ein gefluteter Tagebau in dieser Größe lässt einen kurz nachrechnen, wie viel Kohle da mal rausgeholt wurde.

Praktisch: Direkt am Turm gibt es einen Imbisskiosk im Rost-Look mit kleinen Speisen, Getränken und Softeis, also eine quasi eine Roststätte :-). Wir haben die Gelegenheit für eine Stärkung genutzt.

Großräschen: Wo wir 2004 schon mal standen

Danach ging es nach Großräschen, und hier wurde es für uns persönlich. Wir waren nämlich 2004 schon einmal auf den IBA-Terrassen. Damals war der Blick ein anderer: Die Besucher schauten auf eine triste Tagebaulandschaft, der See war Zukunftsvision. Wir sahen auf eine Mondlandschaft und mussten uns den See vorstellen.

Ein paar Hintergründe dazu: Die IBA-Terrassen entstanden 2004 als Informationszentrum der Internationalen Bauausstellung Fürst-Pückler-Land, die den Strukturwandel in der Niederlausitz begleiten sollte. Diese IBA lief von 2000 bis 2010, und das Ufer des Großräschener Sees war ihr Zentrum. Die Terrassen mit ihrer 270 Meter langen Promenade stehen am Rand des früheren Tagebaus Meuro. Die Flutung begann 2007.

Und heute? Der Tagebau ist geflutet, Wasser, wohin man schaut. Es gibt eine Seebrücke, einen Hafen und eine Hafenpromenade. Der Ilsekanal verbindet den Großräschener See mit dem Sedlitzer See und damit mit dem übrigen Seenland, und die Stadt hat gerade das erste Tourismusjahr hinter sich, das nach unserem Eindruck erfolgreich verlaufen ist. Nach 22 Jahren dort wieder zu stehen und den Unterschied zu sehen, war der eigentliche Höhepunkt des Tages. Das Gefühl, in der Zwischenzeit selbst älter geworden zu sein, haben wir dezent zur Seite geschoben.

Weingut Wobar: Brandenburgs steilster Weinberg

Gleich neben den Terrassen wächst Wein, und zwar nicht irgendeiner. Das Weingut Wobar hat mit 30 bis 33 Prozent Hangneigung Brandenburgs größte Steillage am Großräschener See. Die Winzerfamilie baut hier seit 2012 Wein an. Der Weinberg liegt an einer stehen gebliebenen Böschung des früheren Tagebaus und ist Brandenburgs einzige Steillage.

Die Rebsorten kann man sich merken, denn es sind PIWIs, pilzwiderstandsfähige Sorten: Solaris, Johanniter, Cabernet blanc und Pinotin. Das spart viel Pflanzenschutz, und in Brandenburg liegt der Anteil dieser Sorten bei rund 40 Prozent, bundesweit nur bei vier. Wer in der Lausitz Wein anbaut, sucht sich offenbar gern die robusten Typen aus.

Wir selbst haben die Flaschen bequem in der Touristeninformation gekauft. Das war weniger heroisch als eine Steillagen-Wanderung, aber es ging deutlich schneller, und der Wein schmeckt davon nicht anders.

Abends: Vinothek Wolkenberg

Am Abend stand der zweite Wein-Termin an: die Vinothek vom Weingut Wolkenberg in Welzow. Den Weinberg hatten wir zu Beginn des Urlaubs bei der Tagebautour schon aus der Ferne gesehen, jetzt wollten wir wissen, was in den Flaschen steckt.

Der Wolkenberg ist ein Sonderfall: Er wurde ab 2009 im Auftrag von Vattenfall auf dem Gelände des ehemaligen Dorfes Wolkenberg aufgeschüttet, und der rund 6 Hektar große Weinberg ist nach Süd-Südwest ausgerichtet. Er gilt als der erste auf einer ehemaligen Tagebaufläche aufgeschüttete Weinberg Europas. Der Boden ist also aufgeschütteter Mineralboden, und die Lage nach Süd-Südwest sorgt für ordentlich Sonne. Die Zahlen: rund 26.000 Rebstöcke, sieben Rebsorten. Das Weingut hat seit 2024 eine eigene Kellerei in Welzow, dort sitzt auch die Vinothek.

Unser Plan war, uns ein bisschen was über den Wein erzählen zu lassen und dann einzukaufen. Das Erzählen hat leider nur bedingt geklappt: Die Dame in der Vinothek war ziemlich ahnungslos, was Sorten, Boden und Lage angeht. Dafür war sie sehr freundlich, hat uns probieren lassen, und ein paar Flaschen sind auch mitgekommen. Das Fachgespräch haben wir eben mit uns selbst gehalten.

Fazit

Ein ruhiger, runder letzter Tag. Der Rostige Nagel macht optisch was her und hat nebenbei einen brauchbaren Imbiss. Großräschen war nach 22 Jahren der schönste Vorher-nachher-Vergleich, den wir uns hätten wünschen können. Und der Wein vom ehemaligen Tagebau ist keine Kuriosität, sondern gut genug, um ihn im Kofferraum haben.

Morgen geht es wieder nach Hause. Wir hoffen, dass die Weinflaschen auf der Rückfahrt nicht klirren. Eine Woche Lausitz ist vorbei, und sie hat sich gelohnt.