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Herbsturlaub Tag 1: Große Bagger, kleine Bäume und viel Wind

Eine Woche Herbsturlaub musste dieses Jahr noch sein. Für große Entfernungen hatte ich keine Lust, also ging es mit Auto und Wohnwagen in die Lausitz, auf den Komfortcampingplatz am Senftenberger See. Die Anreise war so entspannt, dass ich schon fast misstrauisch wurde.

Der Platz: Groß, sauber, mit Auswahl

Der Campingplatz ist riesig und hat viele Stellplätze. Wasser und Abwasser gibt es direkt am Platz, und die Sanitäranlagen sind richtig gut. Mein Tipp: Bei der Buchung auf die Stellplatzgröße achten, es gibt kleine und große. Wir haben einen kleineren, und der reicht uns völlig. Wer mit Vorzelt, Fahrradträger und halbem Hausstand anreist, bucht aber besser großzügig.

Der Platz liegt am Ortsrand von Niemtsch, direkt am See. Der Name Niemtsch verrät schon, dass hier einmal Kohle abgebaut wurde. Der See ist selbst ein Stück Bergbaugeschichte: Bis 1966 wurde im Tagebau Niemtsch gefördert, danach wurde geflutet, und binnen fünf Jahren entstand der Senftenberger See. 1973 sprangen die ersten Badegäste offiziell hinein. Wir stehen also mit dem Wohnwagen am Rand eines ehemaligen Lochs. Und am ersten Tag haben wir uns angesehen, wie so ein Loch entsteht.

Das Wetter heute in Kürze

Kalt, windig, um die 10 Grad, und der Regen kam erst am späten Nachmittag. Zwiebellook und Mütze waren Pflicht. In einem Tagebau gibt es keine Bäume und keine Häuser, die den Wind bremsen, er kommt ungehindert von allen Seiten.

Tagebau Welzow-Süd: Drei Stunden Mondlandschaft

Für den Start haben wir eine dreistündige Rundfahrt durch den aktiven Tagebau gebucht. Dass der Regen erst danach kam, rechne ich dem Tag hoch an.

Die Zahlen. Welzow-Süd ist einer der größten aktiven Braunkohletagebaue Deutschlands. Die Vorbereitungen mit Rodungen begannen 1957. Von den knapp 5.900 Hektar Fläche sind rund 2.600 Hektar bereits wieder rekultiviert. Gefördert werden rund 20 Millionen Tonnen Braunkohle pro Jahr. Die Kohle geht vor allem an das Kraftwerk Schwarze Pumpe, das vom Tagebau Welzow-Süd hauptsächlich versorgt wird.

Zur Wahrheit gehört auch: 17 Dörfer wurden devastiert, für sie wurden bei der Rekultivierung Gedenkorte geschaffen. Auf der Fahrt wird aus solchen Zahlen schnell Landschaft, und das ist dann etwas anderes als eine Statistik. Auch wenn der Tagebau 2030 schliesst, werden auch heute noch Gebäude zurückgebaut weil die Fläche bis dahin noch vom Tagebau genutzt wird.

Die Maschinen. Das Prinzip funktioniert in Stufen:

  • Erste Stufe, die Abraumräumung: Der Bagger fährt auf Ketten und trägt die obersten Schichten ab.
  • Zweite Stufe, der Zwischenschnitt: Hier läuft alles auf Schienen, bis hinunter zum Kohleflöz.
  • Das Flöz: Abgebaut wird das zweite Lausitzer Flöz. Es ist zehn bis 16 Meter mächtig, und der Abstand zur Oberfläche liegt je nach Abbaugebiet bei 90 bis 130 Metern. Das erste Flöz ist zu klein, das dritte liegt nach Auskunft der Führung rund 250 Meter tief. In der DDR war geplant, auch dieses tiefere noch abzubauen.

Die Förderbrücke F60 gilt als größte bewegliche Maschine der Welt. Die erste ihrer Art wurde hier ab 1969 montiert, der Regelbetrieb begann 1973. Sie arbeitet nicht allein: Zwei angeschlossene Eimerkettenbagger geben den Abraum an das Förderband der Hauptbrücke ab, und unter der Brücke wird die Kohle gewonnen. Wer daneben steht, fühlt sich wie eine Ameise vor einem Hochhaus, und der Wind macht es nicht besser.

Das Ende ist in Sicht

Lange hieß es: Welzow-Süd schließt 2033, das Kraftwerk Schwarze Pumpe läuft bis zum Kohleausstieg 2038. Dann kam die Überraschung: Der Betreiber Leag verkündete im Januar, den Tagebau schon 2030 zu schließen, also drei Jahre früher. Welzow-Süd ist damit der letzte aktive Tagebau in Brandenburg. Wir haben die Maschinen also gerade noch bei der Arbeit erwischt.

Nach der Kohle: Renaturierung mit kleinen Bäumen

Danach haben wir uns die renaturierten Flächen angesehen. Es sind Mischwälder entstanden, aber die Bäume sind noch klein und müssen erst wachsen. Das sieht ein bisschen aus wie ein Wald im Kindergartenalter. Man darf sich nicht täuschen lassen: Es dauert 35 bis 40 Jahre, bis das Gelände nach dem Bergbau wiederhergestellt ist, sagt ein Mitarbeiter. Dabei sind die Betreiber gesetzlich zur Rekultivierung verpflichtet, deshalb ist die Leag nicht nur ein Energieunternehmen, sondern auch eine große Landschaftsgärtnerei.

Und es gibt Berge, jedenfalls das, was man im Flachland so nennt. Zwei haben wir uns angesehen.

Der Geisendorfer Berg heißt wie das Gut in der Nähe. Er liegt am Rand des Tagebaus und gehört zu einem Rekultivierungsgebiet von zehn Hektar mit Wanderwegen, Wildblumen und Baumgruppen.

Der Wolkenberg ist ein künstlich aufgeschütteter Hügel, rund 30 Meter hoch. Er steht dort, wo früher ein Dorf stand, das 1991 dem Tagebau weichen musste. Heute wachsen dort rund 26.000 Rebstöcke am Südhang auf etwa sechs Hektar. Die Lage wurde gezielt geplant: Süd-Südwest, mit extra aufgeschüttetem Geschiebemergel, weil Reben den sandigen Boden der Lausitz nicht mögen. Man hat hier also einen Berg gebaut und die passende Erde gleich mitbestellt.

Der Wein ist gut, den kennen wir schon. Diese Woche kommen wir noch einmal darauf zurück.

Fazit zu Tag 1

Man muss nicht weit fahren, um etwas Eindrucksvolles zu sehen. Die Rundfahrt war ihre drei Stunden wert, vor allem weil man erst vor Ort versteht, wie riesig Maschinen und Gelände wirklich sind. Dass auf dem Rückweg kleine Wälder und ein Weinberg auf ehemaligem Dorfgrund stehen, hat mich fast mehr beschäftigt als die Bagger. Der Wohnwagen steht gut, der Wind hat uns zumindest nicht samt Vorzelt davongetragen, und mehr kann man von einem Herbsturlaub nicht verlangen.