Heute stand bei uns nach dem Frühstück die große Inselrundfahrt „Saaremaa“ auf dem Programm – einmal quer über die Insel und an der Küste wieder zurück.

Der Kaali-Meteoritenkrater: Ein Loch mit Souvenirshop
Erster Stopp der Tour: der berühmte Kaali-Meteoritenkrater. Vor ein paar tausend Jahren ist hier ein ziemlicher Brocken aus dem All eingeschlagen und hat ein beachtliches Loch in die estnische Landschaft gebrannt.
Mythisch hat dieses Ereignis ziemliche Spuren hinterlassen und wird in der estnischen und auch der finnischen Historie als „der Platz wo die Sonne auf die Erde gefallen ist“ beschrieben.



Was bleibt unterm Strich? Wenn man eh gerade in der Gegend vorbeikommt, kann man sich das Ganze definitiv mal ansehen. Am Ende des Tages steht man allerdings vor einem kreisrunden, mit grünlichem Wasser gefüllten Loch in der Erde. Um das Naturdenkmal herum hat sich natürlich eine kleine, feine Tourismus-Industrie etabliert: Es gibt ein Restaurant, einen Souvenirshop und die üblichen Standl mit Holzhandwerk. Aber gut – die Locals müssen schließlich auch von etwas leben, und einen schnellen Espresso zum Kraterblick nimmt man doch gerne mit.
Angla Windmühlenpark: Wo die Insel-Mühlen wohnen (und Traktoren rosten)
Zweite Station unserer Tour war der Angla Windmühlenpark. Hier hat man historisches Kulturgut aus allen Ecken von Saaremaa zusammengetragen und auf einer hübschen Wiese nebeneinander aufgestellt. Vier Bockwindmühlen und eine holländische Windmühle stehen dort Spalier. In zwei der Mühlen darf man sogar hineinklettern und das historische Gebälk aus nächster Nähe inspizieren – ein echter Praxistest für die eigene Kopffreiheit.











Neben den Mühlen gibt es noch eine beachtliche Sammlung alter landwirtschaftlicher Geräte. Mein persönliches Highlight – wenn auch mit einem leichten Seufzer: Eine ganze Batterie alter Sowjet-Traktoren und Dreschmaschinen modert hier völlig ungeschützt vor sich hin. Für Fotomotive ist das zwar genial, aber als Maschinenliebhaber blutet einem doch ein bisschen das Herz, wenn man sieht, wie der estnische Regen den alten Stahl langsam auffrisst.
Panga Cliff & Kirchenstopps: 40 Meter Abgrund und stille Einkehr
Auf dem Rückweg ging es an der rauen Westküste entlang. Erstes Ziel an der Kante: Das Panga Cliff (Panga pank). Bis zu 40 Meter geht es an der Abbruchkante steil Richtung Ostsee runter. Es ist schon beeindruckend, da oben an der Kante zu stehen, sich den Wind um die Nase wehen zu lassen und direkt in die Grautöne des Meeres hinabzublicken. Ein Ort, an dem man automatisch zwei Schritte vom Rand zurücktritt.





Weiter ging die Fahrt an der Küste entlang über verschlungene Straßen. Unterwegs sind wir zufällig auf eine kleine, idyllische orthodoxe Kirche gestoßen und haben anschließend die historische St. Michaelskirche in Kihelkonna besucht. Deren freistehender Glockenturm aus dem 14. Jahrhundert ist in dieser Form einzigartig im Baltikum. Ein wunderbarer Ort für eine kurze Rast und ein paar Minuten Ruhe.



Feierabend auf dem Campingplatz & Sturmwarnung für Tallinn
Zurück auf unserem Campingplatz stellten wir fest: Wir sind nach wie vor komplett alleine hier. Die Betreiber sind allerdings aus ihrer kurzen Pause zurück und das zugehörige Restaurant hat seine Türen geöffnet – perfektes Timing für ein entspanntes Abendessen, ohne selbst den Gaskocher im Wohnwagen anwerfen zu müssen.
Der Blick auf den Wetterbericht hat allerdings unsere Pläne für die nächsten Tage gehörig durcheinandergewirbelt: Für morgen und übermorgen sind kräftiger Dauerregen und Sturmböen angesagt. Wohnwagen und Sturm an der offenen Küste sind eine Kombination, auf die wir dankend verzichten können. Wir haben daher beschlossen, schon morgen früh die Fähre zurück aufs Festland zu nehmen und Richtung Tallinn durchzustarten. Zwei Tage Dauerregen erträgt man schlichtweg besser im Auto oder gemütlich in den überdachten Gassen und Cafés der Hauptstadt als im schaukelnden Caravan auf der Insel.
Nächster Halt: Tallinn!
